On the Wallaby... oder Alle Wege sind weit in Australien

 


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31. Tag          
UNDARA LAVA TUBES und Fahrt nach GEORGETOWN 
 
Heute weckten uns die Kookaburras im Morgengrauen mit ihrem Gelächter von Baum zu Baum. Wir verpackten und verstauten unsere Habe, hingen die Wäsche wieder auf, stellten das Auto auf den Parkplatz und um 8:30am begann unsere Exkursion mit Jeep und Rangerin zu den Lava Tubes, Lava Tunnels. Mit dem Jeep fuhren wir durch herrlichen Busch, sahen etliche Kangaroos und hielten an einer Anhöhe an. Diese bestiegen wir und Val, die Rangerin erklärte uns Bäume, Gestein und die in einiger Entfernung liegenden Vulkankegel, die am Horizont einen Halbkreis bildeten. Von der Anhöhe hatten wir einen sehr schönen, weiten Blick über das wunderschöne Buschland.

Exkursion
 
Unsere Gruppe war sehr klein, vier Leute. Am Tag zuvor war ein ganzer Bus im Morast stecken geblieben und heute wurden die Touren nur mit dem Jeep gemacht. Val erklärte uns als erstes den Leichhardt BREAKFASTFRUIT TREE, der ´Leichhardt Brotfruchtbaum´, den Leichhardt 1844/45 entdeckte und benannte. Der Forscher war der erste Weiße, der seinen Fuß in diese Gegend gesetzt hatte. Auf diese oder ähnliche Art begegnete uns Leichhardt immer wieder, aber wir waren ja auch auf seinen Spuren unterwegs.
Plötzlich… ich traute meinen Augen kaum… mitten in Busch ein Flugzeug. ´Ein BUSH AIR STRIP´, erzählte uns Val ganz stolz. Irgendwo im Busch stiegen wir aus, Val schleppte eine mitgebrachte Kiste auf einen Platz, wo bereits ein wackeliger Tisch stand. Es gab Tee und Kekse. Ein sehr angenehmes Überbleibsel der englischen Kolonialzeit.

  Teatime mit Val

Der Platz lag vor dem Einstieg in einen Lava Tunnel. Es sind noch Reste von Regenwald vorhanden und ich sah die ersten BOTTLE TREE´S, Flaschenbäume. Hier sind sie hoch und schlank. An einem Stamm sah man noch die Steigkerben der Aborigines, die die reifen Früchte geerntet hatten. Die Aborigines lebten von der Natur, von Früchten, wildem Korn und Tieren. Aber nie verbrauchten sie alles an einer Stelle. Sie zogen weiter, wenn noch genügend Nahrung vorhanden war um nachzuwachsen. Sie steckten Kerne in den Boden und wussten, wenn sie auf ihrer Wanderung wieder hierher kommen, finden sie reichlich Nahrung vor.
Wir packten die Teeutensilien wieder ins Auto. Jeder bekam eine Taschenlampe und wir stiegen in den ersten Lava Tunnel ein. Über dem Einstieg schauten uns ein paar Rock-wallabys zu. Dann mussten wir aufpassen, denn der Weg war steil und führte über herab gebrochene Felsstücke hinunter.

Einstieg in die Lava Tubes

So eine Lava Tube sieht aus wie ein Gewölbe. An den Seiten sieht man deutlich die Fließ-bewegung der einst flüssigen Lava.
Es lagen Knochen herum, die von Tieren stammen, die hier Schutz vor Regen und Feuer suchten oder einfach nur an Altersschwäche oder an Verletzungen verendet waren. Auch Überbleibsel der Aborigines wurden gefunden, die auch in diesen Gewölben Unterschlupf fanden. Es ging wieder nach oben und Val erzählte uns ein wenig davon, wie sich Bäume vor dem Buschfeuer schützen.
Da ist der BLUTRINDENBAUM, der bei Feuer brennende Stücke seiner Rinde absprengt und dadurch keinen größeren Schaden nimmt. Der EISENRINDENBAUM, dessen gekerbte Borke nach oben hin spitz zuläuft, das Feuer kann dadurch nicht weiter brennen. Der WHITE GUM EUKALYPTUS, dessen Stamm halbhoch mit Rinde bedeckt ist und die sich nach dem Feuer neu bildet. Es gibt auch einen OELBLÄTTER-BAUM. Der wächst zwar auf steinigem Boden, aber nur da wo genügend Wasser im Untergrund vorhanden ist. Derart geschützt findet das Feuer keine Nahrung. Jeder Bushman weiß, dass er sich unter diesem Baum vor dem Feuer retten kann. Dieses Wissen, das die Ureinwohner von der Natur besitzen, ist faszinierend und beängstigend zugleich. Was könnten die modernen Menschen nicht alles bewirken, wenn sie sich dieses Wissen aneignen würden.
Wir steigen in die nächste Lava Tube ein. Die Gewölbe haben Höhen von ungefähr 18-25-30m. Beeindruckend die Spuren der Lava und des Lebens Jahrhunderte danach. Ich fragte mich, warum wir eigentlich eine Lampe dabei hatten, so dunkel war es doch gar nicht. Die Antwort folgte mit dem dritten Einstieg.
Tief gingen wir im Gänsemarsch, wie die Aborigines auf dem WALKABOUT, in die dritte Lava Tube hinein. Kein Tageslicht zeigte uns den Weg. Warme, dunkle Höhlenluft umfing uns und wir tasteten uns an der rauen Wand entlang. Die Taschenlampen waren nicht unbedingt hell, aber als wir uns etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnten wir uns orientieren. Wir gingen weiter. Von links kam ein weiterer Tunnel hinzu. Hier hatten sich zwei Lavaströme getroffen und dann ihren Weg gemeinsam fortgesetzt. Im Schein der Lampen sahen wir orangefarbige Austritte am Felsen, die von Eisen und anderen Mineralien herrühren und mit Flechten bewachsen sind.
Auf einmal schwirrte die Luft. Leise, hohe Töne streiften unsere Ohren. Es wisperte und flüsterte. Was war das bloß? Wie ein Windzug klang es nicht… Val klärte uns auf. Es waren winzige Fledermäuse, die hoch oben an der Decke hingen und ein Mordsspektakel machten. Als wir sie mit unseren Lampen anstrahlten, flatterten hunderte, ja bald tausende von ihnen aus dem Tunnel.
Später stiegen wir wieder nach oben und ein schöner Wanderweg brachte uns zum Jeep zurück. Unterwegs zeigte uns Val noch das SPEARGRAS. Sie leckte Daumen und Zeigefinger an, nahm einen Speergrashalm dazwischen und wir konnten sehen, wie der Halm sich zu drehen begann. Die Spitze ist das Samenkorn mit Widerhaken und sie dreht sich bei Feuchtigkeit in den Boden hinein. Auch eine Art der Fortpflanzung. Für Schafe ist dieses Speergras lebensgefährlich. Es dreht sich bei Regen durch die Wolle in den Körper und führt unweigerlich zum Tode.

Speargras

Zurück zur Undara Lava Lodge. Dort wartete schon das Mittagsbuffet auf uns. Wir machten noch einen Rundgang und schauten uns die alten Eisenbahnwaggons an. Einige Abteile waren in Schlafräume umgewandelt, in einem war eine Bibliothek untergebracht, in anderen waren Sanitär Einrichtungen und wieder andere sind Speiseräume und Trinkstuben.

Schlafwaggons

Die Idee… die herrliche Buschlandschaft nicht zu zerstören, aber für den Tourismus etwas zu tun, hatte Gerry Collins. In einem Ort wurden alte, ausgediente Eisenbahnwaggons versteigert.
Das war es… die Waggons fügten sich problemlos in die Natur ein. Liebevoll restauriert und eingerichtet erfreuen sie sich großer Beliebtheit.
Unsere Fahrt war für heute noch nicht beendet. Wollten wir ja noch nach GEORGETOWN.
Zu beiden Seiten Buschland, viele Eukalyptus-bäume, Mimosensträucher, goldblondes Gras, jede Menge Termitenhügel: große, kleine, spitze, runde ANTHILLS.
Dann ging es über die GREAT DIVIDING RANGE, die sich von Norden nach Süden durch Australien zieht. Über Hügel mit schönen Ausblicken in die Ebene, in das Weideland der GOLF SAVANNE hinab. 
Diese ist flach, sehr trocken, mit mageren Gras und einigen Büschen. Wo ein Creek mit Wasser in der Nähe ist, stehen auch wieder große Bäume. Wir fuhren an so manchem, ver-träumten Wasserlauf vorbei, der wie ein Spiegel in der Landschaft lag. Da es Weideland ist, gab es viele Rinder in allen Farben.

Spiegel in der Landschaft

Es begegnete uns ein GRADER, eine Straßen-baumaschine riesigen Ausmaßes, wie wir sie noch oft zu sehen bekamen. Wir waren spät dran, fanden noch einen Platz auf einem bescheidenen Campground in GEORGETOWN. An unserem Stellplatz war ein Holzhäuschen mit einer Dusche und separaten Klo. Das war sehr angenehm. Beim Duschen schaute uns ein handtellergroßer, grüner Frosch mit roten Augen zu, der in einer Ecke der Dusche saß.

 
Abendstimung über Georgetown

Es war eine sehr schöne Abendstimmung, ich schrieb noch die Eindrücke des Tages in mein Tagebuch. Im einzigen Pub am Ort, nahmen wir zwei Biere und gegen 9:30pm lagen wir nach dem erlebnisreichen Tag in den Betten.


32. Tag           Von GEORGETOWN nach KARUMBA

Wir überquerten den GILBERT RIVER, den Leichhardt auf seiner ersten Expedition Mitte 1845 entdeckt und nach seinem Begleiter Gilbert benannt hatte, der kurz vorher von Eingeborenen umge-bracht worden war.
Zwischen den Büschen und Bäumen hielten sich viele Rinder auf. Oft standen sie an Wasserlöchern, worin sich noch ein wenig Wasser vom letzten Regen befand. Oder sie standen auf der Straße und glotzten uns neugierig an. Wenn Kälber dabei sind, muss man sehr aufpassen, um sie nicht zu erwischen. Wir fuhren langsam. Wenn die Mutterkuh von der Straße ging und wir wieder los fuhren, galoppierte das Kalb oft unver-mittelt vor unserem Auto über die Straße. Erst entgegengesetzt und dann wieder auf die andere Seite, wo sich die Mutterkuh befand. Road Trains, die mit viel Tempo daher kommen, nicht so schnell bremsen können oder wollen, räumen mit ihren BULLBARS die Tiere einfach von der Fahrbahn. Da ist die Überlebenschance gleich null. ´Was dem Einen sein Leid, ist dem Anderen seine Freud´. Auch Adler, Wildschweine und andere Aasfresser müssen überleben und machen sich über diese toten Tiere her.
Die Asphaltstraße hörte auf und wir befanden uns auf der Gravel Road. Quer- und Längsrillen, Dips, Grids, Sand, Schotter und diverse Schlammlöcher, noch vom letzten Regen. Ein kleiner Vorgeschmack auf spätere Touren. ´Was war denn da gerade…da…links im Busch…halt doch bitte mal an´. Liegt doch mitten im Gebüsch ein Autowrack und verrottet gemütlich vor sich hin. Oft haben wir das noch gesehen.
Bei CROYDEN, einem winzigen Kaff mit Verladestation für Rinder, beginnt der Historische GULFLANDER RAILWAY. Hier werden auch heute noch aus der Golfregion die Rinder in die Züge verladen, an die Küste zum GULF OF CARPENTARIA transportiert und auf Schiffe gebracht. BLACKBULL, EAST HAYDON und GLENORE sind Rinder Stationen an dem historischen Railway. Außer den Stationen gibt es hier keine weitere Besiedlung.
Etwas entfernt sahen wir eine schöne Lagune. Mit dem Foto bewaffnet schauten wir uns näher um. Es war heiß und der Boden staub-trocken. Über die Eisenbahnschienen versuchten wir näher an die Lagune heran zu kommen. Reisgänse, die grauen Brolgas, Reiher und andere Wasservögel tummelten sich in und an der Lagune. Schwärme von grünen Wellensittichen schwirrten an uns vorbei. Viele, weiße Kakadus kreischten in den wenigen Bäumen. Aber je näher wir kamen, umso mehr entfernten sich die Tiere. In der Nähe blieben uns aber wunderschöne, wilde Waterlilies in dem etwas trüben Wasser, ein paar blaue Blümchen und ein winziger Termitenhügel (ca. 4cm hoch), den ich, auf dem Boden liegend fotografieren musste.
Kurz vor NORMANTON gibt es eine Abzweigung zum BURKE & WILLS ROADHAUSE, 200km entfernt. Da kommen wir später auch noch hin. Dann stolperten wir über LEICHHARDT EXPRESS CAMEL SAFARI`S. Auch heute noch ist der Forscher in dieser Gegend allgegenwärtig und sein Name wird sogar für eine Kamelsafari hergenommen. Das hat er sich sicher nicht träumen lassen.

LL Camelsafaris

NORMANTON ist eine kleine, verschlafene Ansiedlung, hat aber ein Eisenbahn Museum, was nicht verwundert, endet hier doch der historische Railway. Vor dem Museum steht eine der kleinen, alten Dampfloks.
Die Landschaft veränderte sich merklich. Es ist eine brettelebene Savanne, weit und breit kein Baum, nur Gras, braun verdorrt, rötlich grauer, trockener Boden und immer wieder Rinder, Reiher und Brolgas, die australischen Kraniche an den wenigen Wasserlöchern. Das Gras, was so verdorrt aussieht, ist sehr nahrhaft. Die Rinder sehen tatsächlich gut genährt aus und das schwarze Fell glänzt, als ob es poliert ist. Am Horizont tauchte gelegentlich ein dunkler Streifen auf, das Zeichen für einen Flusslauf, der von Bäumen gesäumt ist. Nach eintöniger Fahrt kamen wir endlich in KARUMBA an.
Karumba ist ein kleiner Ort, direkt an der Mündung des NORMAN RIVER gelegen. Die Einwohner leben vom Fischfang und regem Tourismus. Die Australier fahren hier aus-schließlich zum Fischfang her.

Karumba mit Fischerbötchen

Auf dem Campground, KARUMBA POINT, war die Hölle los. Ziemlich neu, kleine, mickrige Bäumchen, die noch keinen Schatten spendeten. Jeeps, Wohnanhänger, Camp-mobile, Boote mit Außenbordmotoren und für die vielen Leute zu wenig Duschen und Toiletten. Aber einen großen Swimmingpool, für uns fast alleine. Das war gut so, hatten wir zwar das ruhige Meer und die große Fluss-mündung vor der Nase, aber wegen der Krokodile ist es nicht ratsam darin zu schwimmen. Noch ein Strandspaziergang, Muscheln gesucht und gefunden. Das Meer zog sich immer weiter zurück und ließ einen schlickigen, schlüpfrigen Boden zum Vorschein kommen. Einigen Anglern zugeschaut und dann begaben wir uns in eine Bar mit weitem Blick über das Meer und die Norman River Mündung.
Zum Abendessen, natürlich mit herrlichem Fisch, diverse Salate, Kartoffeln etc. vom Buffet, bestaunten wir den hier berühmten Sonnenuntergang. Farben von kräftigem Gelb über knalliges Orange bis samtiges Purpurrot und tiefes Dunkelblau, eine einmalige Farbenpalette ergoss sich über den Golf von Carpentaria.
Mit der Dunkelheit kam das Kreuz des Südens zum Vorschein, wir sahen ein letztes Mal den HALE BOP und das erste Mal die VENUS. Die Venus stand tief im Westen und verschwand ziemlich schnell am Horizont. Ein junger Mann hatte ein großes Fernrohr mit Stativ dabei und wir konnten uns so manchen Stern am Firmament aus der Nähe betrachten.
Dann wurde es Zeit zum Schlafen und wir machten uns auf den Weg in die Betten.
Trotz der vielen Leute war es erstaunlich ruhig.


33. Tag           Fahrt nach BURKETOWN und zur ESCOTT LODGE 

Frühmorgens ging der Sturm auf das Dusch- und Toilettenhaus los. Aber wir hatten Glück und kamen gut weg. Die 80km zurück nach Normanton gingen flott voran. In Normanton wollten wir unsere Gasflasche auffüllen lassen, was aber daran scheiterte, das die Männer, die das an der Tankstelle machten, nicht da waren. So haben wir wenigstens getankt und Lebensmittel eingekauft, weil es die nächsten paar Hundert km keine Gelegenheiten diesbezüglich gab.
Und dann kamen wir auf die Gravel Road. Die Landschaft wurde wieder üppiger, Büsche und Bäume tauchten auf, ein kleiner Wegweiser führte uns von der Hauptstraße in den Busch hinein. Ein idyllischer Platz mit Eukalyptus-bäumen, Sträuchern und einem Gedenkstein. Auf der Bronzetafel war die Route von BURKE & WILLS zu sehen. Die Forscher waren im Jahre 1860/61 von MELBOURNE nach NORMANTON unterwegs und hatten hier ihr letztes Camp vor dem GULF OF CARPENTARIA aufgeschlagen.

Schlammloch, Camp B&W

Tatsache ist, das Burke & Wills im CHANNEL COUNTRY in der Nähe des COOPER CREEK – auch da kommen wir noch hin – umgekommen sind. Eine Suchmannschaft hat die Überreste der beiden Forscher gefunden und eindeutig als Burke und Wills identifiziert.
Ein Schlammloch mit genügend Wasser darin. Malerisch sieht diese Gegend aus und man kann sich keinen besseren Lagerplatz vorstellen. An den Bäumen kann man gut die Überflutungsmarke erkennen, wenn der FLINDERS RIVER über die Ufer tritt. Auch FLINDERS war ein bekannter Forschungs-reisender des 19. Jahrhunderts.
Wir hatten großes Glück, dass der Regen reichlich vor nicht allzu langer Zeit hier runter gegangen ist. Wir kamen in den Genuss überflutete CAUSEWAYS zu durchfahren. Das hat einen höllischen Spaß gemacht.

 Causeway

Die Landschaften lösten sich in rascher Folge ab. Mal flach mit spärlicher Vegetation, dann wieder hügelig, mit blassrotem Gestein, wieder Buschland mit blondem Gras… und dann, traute ich meinen Augen nicht… ein Friedhof… hier... in dieser Ödnis? Nein... Mitten im lichten, niedrigen Busch ein ganzes ´Feld´ mit hunderten Termitenhügeln. Rötlich bis grau, bizarre Formen, die zum Teil aussehen wie Miniaturruinen. Wir konnten uns nicht satt sehen an diesen Kunstwerken, die die kleinen Tiere herstellen.

Termitenlandschaft

Die Hitze trieb uns wieder ins Auto. Ein Gatter versperrte uns den Weg. Aussteigen, öffnen, durchfahren und Gatter wieder schließen.
Plötzlich kreuzte der LEICHHARDT RIVER unseren Weg. ´Nicht zu glauben, wie viel Wasser darin ist´…  Als Claudia vor zwei Jahren hier war, plätscherte nicht mal ein bescheidenes Rinnsal die riesigen, roten Felsstufen hinab.

Leichhardt Falls

Jetzt führte der Leichhardt River viel Wasser und bildete gleich zwei große Wasserfälle. Wir machten eine längere Pause und stürzten uns in den oberen Pool. ´Oben´ und ´unten´ ohne.
Der untere Pool geht in den Fluss über und war wegen eventueller Krokodile nicht zum Baden geeignet. Herrliches, frisches Wasser ist nach Staub und Hitze genau das Richtige. Hohe Eukalyptusbäume, Sand wie am Meer, ein kleiner natürlicher Stausee, machte es uns nicht leicht, weiterzufahren.

Idylle Stausee

Immer noch 80km nach BURKETOWN und wieder flache Savanne. In Burketown klappte es mit dem Auffüllen der Gasflasche. Man weiß ja nie, wo und wann man wieder an Gas kommt. Und dann noch einmal 15km bis zur ESCOTT LODGE.
Eine völlig andere Welt. Riesige White Gums, Ghost Gums, tropischer Regenwald und Flüsse. Über den ALBERT- und NICHOLSON RIVER, traumhaft, aber auch mit Krokodilen gespickt. Die Escott Lodge liegt idyllisch mittendrin. Ein weitläufiger Campingplatz, wo ganz wenig los war. Jede Menge Kangaroos beäugten uns neugierig. In einiger Entfernung, uns gegen-über, standen fünf aufgepackte, verdreckte Jeeps, fünf Zelte und dazu gehörten fünf Paare.
Als wir die hintere Autotüre öffneten – was für ein Schock – quoll uns roter Staub entgegen. ´Ach du Scheiße… wo kommt denn der Dreck her… na logo, von der Dreckpiste kommt der her´... Es half nichts, bevor wir überhaupt etwas anderes taten… putzen, putzen, putzen.
Alles raus aus dem Auto. Koffer, Rucksäcke, Polster, Lebensmittel. In jeder noch so kleinen Ritze war roter Staub. Gekehrt, gewischt, Polster ausgeschlagen und alles wieder eingeräumt. Das kann ja heiter werden, verdammt, hatten wir doch noch einige Hundert Kilometer auf Dreckpisten zu fahren. Aber für heute war wieder alles sauber. Nur das zählte.

Holzfeuer für die Duschen / Donkey Food

Dem Duschwasser wurde mit Holzfeuer eingeheizt. Die Duschen waren einfach, aber sauber und wir konnten den roten Staub abwaschen. Im Camp eigenen Lokal haben wir uns mit köstlichen Seafood und frischem Bier getröstet. Ganz bald sind wir platt in die Betten gefallen. War das wieder ein Tag…


34. Tag           Fahrt zum LAWN HILL National Park

Nach einem reichhaltigen Frühstück, der Toast in der Pfanne war etwas angebrannt, jeder ein Ei, Cornflakes, Tee und Kaffee, mit Jam, Cheese und Orangejuice, ging die Fahrt weiter. Heute war die gesamte Strecke bis zu unserem Ziel, dem LAWN HILL National Park, Gravel Road, also Dreckstraße, Rappelpiste, oder wie man das nennen möchte und dazu noch streckenweise in miserablem Zustand. Lawn Hill heißt: Gras- oder Rasenhügel. Wir waren gespannt auf den ´Rasen´. Was in dieser Gegend wohl ´Rasen´ heißen mag!?
Kurz nach Burketown kamen wir an eine Straßengabelung. Auf diesem Schild sieht man gut die Entfernung, die wir seit Cairns zurückgelegt hatten.


Entfernungsschild Darwin - Cairns

Wir fuhren geradeaus und bogen etwa 100km weiter bei GREGORY DOWNS, einem einsamen Pub und Tankstelle, nach Lawn Hill ab. Einige Road Trains mit riesigen Staubfahnen kamen uns entgegen, aber sonst war eher spärlicher Verkehr. Die Gegend war mager bewachsen, ödes Weideland. Vor uns auf der Dreckpiste ein schwarzer Punkt, der mit näher kommen rasch größer wurde und sich als schwarzes Wild-schwein entpuppte. Dieses fraß an einem platt gefahrenen Artgenossen und galoppierte mit hoch erhobenem Schwanz in die rettenden Büsche. Leider sind die Biester so schnell, das man kaum den Foto hochbekommt.
Aus dem flachen Savannenland tauchte vor uns eine Hügelkette auf. Vor einem der Hügel standen einige große Termitentürme. Nicht zu fassen, was die kleinen Tiere für Kunstbauten errichten. Der größte Turm war sicher über drei Meter hoch und ich kam mir recht klein daneben vor.

Riesentermitenbau

Ein wunderschöner Blick über die Landschaft, warmer Wind säuselte in den Blättern, die Stille war fast greifbar und man hatte das Gefühl, als ob die Erde selbst lebte und atmete.

Raues Gelände

Ein Schild wies uns darauf hin: ´Ihr Feuerholz sollten Sie vor dem National Park sammeln´. Was wir natürlich auch taten. Auf beiden Seiten der Piste gab es genügend Feuerholz; wir schleppten dicke Äste, Rindestücke, Reisig und schwere Wurzeln… au… verdammt… jetzt habe ich mir einen dicken Span unter das Nagelbett des Mittelfingers der linken Hand gerammt. Aua… Mist… und bluten tat es auch noch. Nachdem ein Notverband angelegt war, packten wir das Holz hinten ins Auto auf die Polster. War eh egal, mussten wir ja sowieso das ´Innere´ sauber machen. Die Aussicht auf ein großes Lagerfeuer ließ mich meinen schmerzenden Finger leichter ertragen.
Es hat noch eine ganze Stunde gedauert, bis wir endlich den Lawn Hill NP. erreichten.
Dachten wir, die Escott Lodge war eine Oase, so war der Lawn Hill NP, ein Paradies.
Der Lawn Hill Creek durchfließt hier einige wunderschöne GORGES, Felsschluchten, und bildet mehrere kleine Wasserfälle.

 Lawn Hill Creek

Als Erstes lagerten wir das Holz neben dem Feuerloch, dann die gleiche Prozedur wie am Abend zuvor. Heute ging es aber schon schneller. Anschließend eine herrliche 1 ½ stündige Wanderung in der Abendsonne gemacht. Wir waren überwältigt von der unberührten Schönheit dieses Gebietes. Der ´Rasen´ entpuppte sich als Spinifexgras, hellgrün, stachelig und für Tiere ungenießbar.
Das Wasser des Lawn Hill Creeks ist dunkel-grün, nah seinen Ufern stehen Palmen, Ghost Gums (Geister-Eukalyptus), PAPERBARKS (Papierrindenbäume) und die roten Sandstein-felsen bilden einen interessanten Kontrast.


Paperbark                          Ghost Gum

An einem Wasserzugang mit Treppe glotzten uns große Welse an und hofften auf Futter.
Ein ursprünglicher Campground für maximal hundert Leute, kaltes Wasser in den Duschen und keine Einkaufsmöglichkeit. Im Camp gab es auch kein elektrisches Licht. Bloß gut, das wir eine Taschenlampe dabei hatten. Die fünf Jeeps mit den fünf Paaren von der Escott Lodge standen uns vis à vis und es war sofort ein lebhaftes Gespräch im Gang. Wir fühlten uns sauwohl.
Als es dunkel war, machten wir ein riesiges Feuer neben unserem Bushcamper und in Ermangelung von Fleisch kamen die letzten Kartoffeln in die Glut. Dazu gab es Salzbutter, köstlich!!! Zwei Dosen Bier für jeden von uns rundeten diesen wunderschönen Abend ab.

Lagerfeuer


35. Tag           LAWN HILL NP,  Fahrt zum BURKE & WILLS ROADHOUSE

Wir wollten zwar früh wieder los, aber es musste noch eine große Wanderung in dieser außergewöhnlichen Natur sein. Was wir gestern im Abendlicht gesehen hatten, wurde heute klar und deutlich von der hellen Sonne beschienen.

Totale Lawn Hill NP

Herrlich dunkelgrün und glitzernd floss der Lawn Hill Creek dahin und die weiß schäu-menden Wasserfälle lockten zum Baden. Einige Leute paddelten mit Leihbooten den Creek entlang, vorbei an Steilwänden, mit Palmen gesäumten Ufern und unter einem stahlblauen Himmel. Andere tummelten sich an den Wasserfällen und ließen sich das Wasser auf die Rücken platschen. Manche hofften auf eine Begegnung mit einem Süßwasserkrokodil, die zwar harmlos sind, aber immerhin ca. einen Meter lang werden. Wir hätten zu gerne mit-gemacht, aber der Zeitdruck… und  für eine zweite Nacht hatten wir auch keinen Proviant mehr. So setzten wir nach dieser ausgiebigen Wanderung unsere Reise fort. Der Lawn Hill NP war unser westlichster Punkt und der Abschied fiel uns von dieser traumhaften, unberührten Gegend schwer.
Über GREGORY DOWNS ging es etwas südlicher zum BURKE & WILLS ROADHOUSE. Gute 140km Gravel Road. Es begegneten uns vier 50m lange Road Trains, die uns mit ihren Staubfahnen einhüllten. Die Road Trains hatten je drei doppelstöckige Viehanhänger, waren leer und donnerten mit einem Affenzahn an uns vorbei. Wir blieben lieber am linken Rand der Piste stehen und warteten, bis sich die Rambos und der Staub verzogen hatten.

Road Train

Wir kreuzten wieder den Leichhardt River. Er war voller Wasser, und mit dicht bewachsenen Ufern sah er richtig idyllisch aus.

Leichhardt River

Dann begann plötzlich eine einspurige Asphaltstraße und wir bekamen die traurige Bilanz der letzten Tage und Nächte zu sehen. Zahlreiche Rinder mit aufgeblähten Bäuchen, Schweine, Kangaroos und Emus fallen der Raserei – endlich, nach hunderten km Dreckpiste eine Asphaltspur -  und der Nacht zum Opfer.
Im Burke & Wills Roadhouse, einer einsamen Tankstelle mit Motel, Stellplatz für Camp-mobile, Restaurant und Pub. Alles sehr einfach und mitten in der Prärie. Hier blieben wir für eine Nacht. Weiterfahren hätte keinen Zweck gehabt. Es war schon wieder 5:pm und jeder vernünftige Mensch sollte in der Dunkelheit nicht mehr auf diesen Pisten unterwegs sein.
Als wir das Auto abstellten, wie üblich erst einmal ausgeräumt, geputzt, wieder eingeräumt, machte sich ein merkwürdiger Geruch breit. Kohl oder so etwas Ähnliches. Wir kontrollierten die Gasflasche, weil das Gas auch was Kohlgeruchartiges an sich hat. Das war aber in Ordnung. Ja… hm… was konnte denn das sein? Na ja, vielleicht ist es ein Gully. Oder vom Nachbargrundstück kommt der Geruch her. Später haben wir festgestellt, dass in dieser Gegend eine Pflanze wächst, die den Kohlgeruch absondert.
Den Abend verbrachten wir auf der ´Terrasse´ des Roadhouses. Später trafen die vier Road Trains, beladen mit vielen Rindern, die vor Angst schrieen und trampelten, hier ein. Die Rinder werden wegen der Tageshitze hauptsächlich in der Nacht transportiert. Die Fahrer, die viele Kilometer fahren müssen, machen hier Pause, tanken noch einmal, ehe sie ihren weiten Weg fortsetzen.
Unsere Nacht war ziemlich unruhig und ungute Träume geisterten durch unseren Schlaf.

Fortsetzung folgt

Übrigens...

Wer mehr über den Forscher Ludwig Leichhardt oder über die Mythologie der Aborigines erfahren möchte, klickt auf den Link ´AustreliaS Entdeckungsreise´.

 

 

 




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